Archiv für Juni 2014

Kölner Neo-Nazi in Bombenanschlag in der Probsteigasse verwickelt?

Der Bombenanschlag aus dem Jahr 2001 auf einen von einer iranischen Familie geführten Lebensmittelladen in der Probsteigasse wird bisher dem Neonazi-Trio NSU zur Last gelegt. Jetzt stellt sich die Frage, ob Johann Helfer, der in der Naziszene unter dem Spitznamen "Helle" firmierte, langjähriges Mitglied der „Kameradschaft Walter Spangenberg/Freie Kräfte Köln“, in den Bombenanschlag verwickelt ist. Helfer gehörte zum engsten Führungszirkel der Kameradschaft um Axel Reitz und Paul Breuer. Als Axel Reitz eine mehrjährige Haftstrafe verbüßte, stieg Johann Helfer 2007 zum Kameradschaftsführer der 2012 verbotenen Kameradschaft auf. Nach dem Bombenanschlag in der Probsteigasse wurden nach den Aussagen der ZeugInnen Phantombilder angefertigt. Die Bilder weisen eine frappierende Ähnlichkeit zu Johann Helfer auf. Zu diesem Schluss kamen auch die damaligen Ermittler des BKA und des Verfassungsschutzes NRW.
Und nicht nur die Ähnlichkeit machte Johann Helfer interessant: 1985 wurde Johann Helfer wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt, er besaß Waffen, hat eine Scharfschützenausbildung bei der Bundeswehr erhalten und war dort Mitglied einer Reservistengemeinschaft für Scharfschützen.
Trotzdem sah die Generalbundesanwaltschaft keine Notwendigkeit zu ermitteln: “Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung bestehen nicht”, so die GBA damals.
Den Betroffenen der Tat wurden damals Fotos von Johann Helfer vorgelegt. Diese erkannten Helfer nicht wieder. Jedoch war laut AnwältInnen der betroffenen Familie das vorgelegte Passbild so unscharf, dass sich dadurch keinerlei Ähnlichkeiten mit “irgendeiner anderen Person” feststellen ließen (ZEIT online, 26.06.14).
Trotzdem war für die Ermittler damit der Vorgang beendet, Johann Helfer wurde nicht ein einziges Mal kontaktiert. Die frühere Leiterin des BfV NRW und die ermittelnde BKA-Beamtin sollen nun auf Antrag der AnwältInnen im NSU-Prozess vorgeladen werden.
Außerdem wird wohl öffentlicher Druck nötig sein, damit endlich gegen Johann Helfer ermittelt wird. Dann könnte sich auch herausstellen, ob ein immer wieder in Nazi-Foren geäußerter Verdacht zutrifft: Dass Johann Helfer ein V-Mann des Verfassungsschutzes ist.

Weiterführende Links:
nrwrex.wordpress.com/2014/06/27/k-hatte-der-nsu-helfer-beim-anschlag-in-der-kolner-probsteigasse/
blog.zeit.de/nsu-prozess-blog/2014/06/26/wer-brachte-die-bombe-in-den-lebensmittelladen/
express.de/koeln/der-dritte-mann-anschlag-probsteigasse--laeuft-ein-nsu-killer-frei-herum-,2856,27601458.html

Informationen zur Kölner Nazi-Szene von 2011:
inksunten.indymedia.org/node/45575

Das Problem heißt Rassismus!


Aktivisten und Aktivistinnen „begrüßen“ Gauck auf der Keupstr.
Mehr Infos…


Von Berlin nach Leverkusen-Opladen. Der Text „Staat und Nazis, Hand in Hand“ wurde durch die Berliner Polizei am Wochenende entfernt. Unerträglich schien für sie die Wahrheit über die Verstrickungen des Staates, der Ermittlungsbehörden und der Geheimdienste mit den Morden des NSU zu sein.

Antifa geht nur ohne Staat!
Aus gegebenem Anlass unser Aufruftext zum Beziehungsgeflecht zwischen Staat und Neonazis aus demJahr 2012:

Aufruf der Antifaschistischen Koordination Köln und Umland (AKKU)
10. Oktober 2012
Antifaschismus geht nur ohne Staat
Verfassungsschutz auflösen – Rassismus bekämpfen!

Im November 2012 jährt sich das Bekanntwerden der über sieben Jahre andauernden Mord- und Anschlagsserie des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) um Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt, welche ungehindert von Sicherheitsbehörden zehn Menschen ermorden und mindestens zwei Bombenanschläge verüben konnten. Fast täglich werden neue Details über die Verstrickungen der Geheimdienste mit dem NSU und seinem Unterstützer_innen-Netzwerk sowie über die rassistischen Praktiken der Polizei bekannt. Das tatsächliche Ausmaß des Beziehungsgeflechtes zwischen Staat und Neonazis ist bis heute noch nicht abzusehen. Es wird gelogen, verschwiegen und vertuscht. (mehr…)

Un an après, la solidarité ne faiblit pas!

Auch ein Jahr nach dem Mord an Clément Méric gingen gestern mehrere Tausend Antifaschisten aus mehreren Städten und Organisationen in Paris auf die Straße, um an das Verbrechen zu erinnern und zu zeigen, dass der Kampf gegen die extreme Rechte wichtig ist und unerlässlich geführt werden muss.

Weitere Infos:
Antifa Paris Banlieu
La Horde

Spuren gesetzt gegen das Verdrängen und Verschleiern


10 Jahre nach dem Nagelbombenanschlag in der Keupstraße. Erinnern heißt handeln.

Zahlreiche kreative Spuren wurden am Freitag, den 6. Juni, bei einem (Mit-)Täterspurgengang von der Antifa Koordination Köln & Umland (AKKU) in der Kölner Innenstadt hinterlassen. Erinnert wurde mit Transparenten, künstlerischen Aktionen und einer Gedenkplakette dabei nicht nur an den rechtsterroristischen Anschlag in der Keupstraße, sondern auch an eine andere Tat des NSU, an den Bombenanschlag in der Kölner Probsteigasse.

Rund 150 Anti-Rassist_innen starteten in Köln-Deutz, um stellvertretend Orte und Mittäter_innen aufzusuchen,die bei der Mordserie des NSU sowie deren Nicht-Aufklärung eine Rolle spielten und immer noch spielen. Am Finanzamt erzählten der Geschäftsinhaber und Geschädigte Arif Sadic und der Ehren-Vorsitzende der Initiative Keupstraße Mitat Özdemir davon, wie die Finanzbehörde die Ladeninhaber_innen nach dem Anschlag unter Druck setzten, da die Täter_innen im Umfeld der Opfer vermutet wurden. Ohnehin traumatisierte Menschen wurden unter anderem durch diese Behandlung zusätzlich traumatisiert.
„Von einem Augenzeugen ganz persönlich zu hören, wie demütigend und schikanierend die Behandlung seitens Polizei und Behörden war, führt das gewaltige Ausmaß von Rassismus in der unserer Gesellschaft erschreckend vor Augen“, so Lisa Müller, Sprecherin der Antifa‘Koordination Köln&Umland. (mehr…)

Am Freitag nach Köln-Deutz…(Mit-)Täterspurengang!

Last call: Am Freitag um 17:30 Uhr startet unser (Mit-)Täterspurengang am Ottoplatz in Köln-Deutz.
Wir werden im Rahmen des Spurengangs verschiedene Institutionen direkt aufgesucht, die nach dem NSU-Nagelbombenanschlag an den rassistisch motivierten Ermittlungen und der Stimmungsmache gegen die AnwohnerInnen der Keupstraße beteiligt waren. Statt einer klassischen Latschdemo mit endlosen Redebeiträgen wollen wir mit einem Stadtspaziergang und kreativen Aktionen überzeugen. Gemeinsam wollen wir auf unserem Weg Taten von (Mit-)Tätern benennen, Orte des Rassismus markieren und selber Spuren hinterlassen.

Informationen zum (Mit-)Täterspurengang

Interview zur Aktion

Am Samstag nach Paris…RIP Clément!

Am 7. Juni 2014 jährt sich der Mord an Clément Méric zum ers­ten Mal. Die AFA Pa­ris-​Ban­lieu ruft zu einer Groß­de­mons­tra­ti­on in Paris auf und ver­an­stal­tet ein gro­ßes Fes­ti­val am 6. und 7. Juni. Wir sind solidarisch und rufen dazu auf, am Samstag nach Paris zu fahren, um ein starkes Zeichen gegen Neonazis und rechtspopulistische Tendenzen in Frankreich zu setzen.

Mehr zur Demo…

Terz-Interview zum (Mit-)Täterspurengang am 6. Juni

Direktlink zum Interview…

Auf den Spuren der Täter*innen
Die Antifaschistische Koordination Köln und Umland (AKKU) markiert in Köln Erinnerungsorte des NSU-Terrors.

Vor zehn Jahren, am 9. Juni 2004, explodierte auf der Keupstraße in Köln-Mülheim eine Nagelbombe des NSU, die mehrere Menschen verletzte. Rassistische Ermittlungspraktiken von der Polizei, die Täter*innen im „kriminellen Milieu“ suchten, folgten für die Bewohner*innen der Straße. Zehn Jahre nach diesem rechtsterroristischen Anschlag soll nun mit verschiedenen Veranstaltungen der Kriminalisierung der Bewohner*innen durch deutsche Ermittlungsbehörden und rassistischer Gewalt in Deutschland gedacht werden. Die AKKU plant zusammen mit der „Initiative Keupstraße ist überall“ einen (Mit-)Täterspurengang.

i furiosi: Gibt es Leute von euch, die schon in der Antifa aktiv waren, als der Anschlag auf der Keupstraße 2004 passierte? Wie waren damals die Reaktionen der Antifa auf den Anschlag?

AKKU: Ja, einige von uns waren schon damals politisch aktiv. Die Reaktionen innerhalb der Kölner Antifa waren ziemlich uneinheitlich. Die Meisten haben sich passiv verhalten und konnten die Situation nicht einschätzen. Andere (vor allem Aktivist*innen aus Köln-Mülheim) gingen von einem rechtsterroristischen Hintergrund aus. Sie verteilten z.B. Flugblätter und organisierten zusammen mit Anwohner*innen eine Demonstration. (mehr…)