Archiv für November 2014

Nazi-Mob(i) 2.0 und unsere Antwort

Am 26. Oktober 2014 fand in Köln einer der größten extrem rechten Aufmärsche der letzten Jahrzehnte statt. Über 4.000 Neonazis und rechte Hooligans randalierten in Köln und griffen dabei Journalist_innen, Migrant_innen und (weitere) Anwohner_innen an. Gleichzeitig erleben wir in Berlin und Dresden neue Formen rechter Massenmobilisierungen, bei denen Neonazis, extrem rechte Parteimitglieder und rassistische Bürger_innen gemeinsam auf die Straße gehen. Mit diesem Diskussionsbeitrag wollen wir darauf eingehen, wie es zu den Ereignissen von Köln kommen konnte und welche Herausforderungen durch die neuen rechten Formierungen auf uns zu kommen.

Nicht aus heiterem Himmel

Auch wir haben bei der Veranstaltung der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln nicht mit über 4.000 Teilnehmer_innen gerechnet. Aber bereits im Vorfeld haben wir und andere antifaschistische Initiativen wie „Kein Veedel für Rassismus“ oder NRW rechtsaußen in diversen Pressemitteilungen, Aufrufen und Rundmails darauf hingewiesen, dass mit mehreren Tausend extrem gewaltbereiten Neonazis und rechten Hooligans zu rechnen sei.

Über die genaue Zusammensetzung und die Mobilisierungsfähigkeit des HoGeSa-Events wurde bei uns im Vorlauf der Demonstration viel spekuliert. Bei vorherigen Veranstaltungen, wie in Dortmund und Frankfurt, wurden sehr unterschiedliche Teilnehmer_innenzahlen beobachtet und die Treffen reduzierten sich vor allem auf den Versuch einer medialen Selbstinszenierung der rechten Hools. Bei beiden Veranstaltungen waren bereits Neonazis anwesend.

Auch wenn Behörden oder einige selbsternannte Expert_innen nun von einem „neuen Phänomen“ sprechen, sind „politische Aktionen“ von Hooligans und auch deren Zusammenarbeit mit organisierten Neonazis nichts Neues. Bereits in den 1980er- und 90er-Jahren gab es aus diesem Spektrum Angriffe auf als Linke oder „Ausländer“ wahrgenommene Menschen. Und über die HoGeSa selbst bzw. deren Vorläufer wurde bereits vor etwa einem Jahr berichtet (1). Erste Aktionen von Personen aus dem Nazi-Hool-Netzwerk fanden im Februar statt – wie zum Beispiel das Stören von Auftritten des islamistischen Predigers Pierre Vogel.

Größere Ausschreitungen wie jetzt in Köln gab es auf vorherigen HoGeSa-Veranstaltungen zwar nicht, doch genau dieser mangelnde Aktionismus wurde auch in den eigenen Kreisen kritisiert. Im Vorlauf des 26. Oktober 2014 wurde von Seiten der HoGeSa-Anhänger_innen mit den Hufen gescharrt. Eine „langweilige“ Kundgebung würde als Anreiz zur Anreise nach Köln nicht ausreichen. Um die eigene Mobilisierungsfähigkeit aufrecht zu erhalten, mussten sich die Organisator_innen etwas Neues einfallen lassen. So sollte stattdessen ein Konzert mit Hannes Ostendorf, dem Sänger der in rechten Hooligankreisen beliebten Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“, und eine anschließende Demonstration neuen Schwung in die Szene bringen. Für einen großen Teil der HoGeSa-Leute scheinbar noch nicht genug Action – in diversen Facebook-Kommentaren wurde offen zu Gewalttaten aufgerufen.

Auf dem rechten Auge blind

Über den Tag selbst ist im Nachhinein viel berichtet worden. Eines soll aber nochmal festgehalten werden: Dass Nazis und rechte Hools diesen Tag abfeiern können, haben sie auch einer Polizeiführung zu verdanken, die den Aufmarsch im Vorfeld verharmloste. Die zahlreichen Gewaltandrohungen bei Facebook und anderswo wurden ebenso ignoriert wie mehrere Hinweise von Gruppen und kundigen Akteuren aus der Zivilgesellschaft, die auf die hohen zu erwartenden Teilnehmer_innenzahlen und die offensichtliche Gewaltbereitschaft der Beteiligten hinwiesen.
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NO IMK!

Im Dezember trifft sich die Innenministerkonferenz in Köln.

Die diesjährige IMK steht im Kontext einer geopolitisch brisanten Lage. Während der religiös fundamentalistische “Islamische Staat” in Syrien und Irak mit brutalsten und mörderischen Mitteln die Macht erobern will und dadurch tausende Menschen fliehen müssen, spielt Deutschland eine tragende Rolle in der Abschottung Europas gegen Flüchtende und Migrierende.

Unsere Haltung zu den Punkten die auf der Innenministerkonferenz verhandelt werden ist klar: Grenzen überwinden, PKK-Verbot aufheben!

Ein breites Bündnis aus kurdischen, antirassistischen und linken Gruppen ist am Start. Zusammen werden wir am 6. Dezember gegen Abschottung und Repression auf die Straße gehen.

noIMK-Bündnis

Hörenswert: Szenensprünge mit Kutlu Yurtseven

Deutschlandfunk Feature

An manchen Tagen hat Kutlu Yurtseven mit fünf Szenen gleichzeitig zu tun: Morgens arbeitet er als Sozialarbeiter in Kölner Problembezirken. Abends spielt er in einem Theaterstück über den Anschlag gegen Migranten in der Kölner Keupstraße im Schauspiel Köln.

Zwischendurch trifft er die Väter seiner Problemfälle im türkischen Kulturverein, um zwischen den Einwanderern der unterschiedlichen Generationen zu vermitteln. Außerdem steht er seit über 20 Jahren mit seiner Hip-Hop-Gruppe „Microphone Mafia“ auf der Bühne. Mindestens so lange engagiert er sich auch politisch, kämpft gegen Rassismus auf der einen und Abschottung auf der anderen Seite.

Yurtseven muss viele Sprachen beherrschen: Nicht nur Türkisch und Deutsch, sondern auch die Sprache der Jugend und die ihrer Eltern, die Sprache der Musik und den Duktus der Sozialpädagogen genauso wie den der Kommunalpolitiker und Theaterliebhaber. So springt er zwischen den Szenen, übersetzt, hilft, vermittelt; und er kann spannende Einblicke liefern in die unterschiedlichen Szenen mit ihren je eigenen Konflikten und Vorurteilen.

Gemeinsam nach Remagen!

Treffpunkt für die gemeinsame Fahrt am kommenden Samstag (22.11.2014) nach Remagen:
09.15 Uhr, Köln Hauptbahnhof, Haupteingang

Kommt pünktlich und organisiert euch in Bezugsgruppen.

AIK: Hogesa Nachbetrachtung

Am 20.11.2014 findet wieder die Antifa Info Kneipe statt. Im thematischen Fokus steht an diesem Tag die größte extrem rechte Veranstaltung in Köln in der Nachkriegszeit: 4000 Neonazis, Nationalisten und rechte Hooligans demonstrierten am 26.10. in Köln. Wir möchten mit euch, nach einem Input von unserer Seite, erörtern, welche Bedeutung der Aufmarsch für die extreme Rechte hat, wie es dazu kommen konnte und wie man in Zukunft mit diesem Zusammenhang umgehen sollte. Daher kommt um 19 Uhr in die LC 36 (Ludolf Camphausen Straße 36).

Es gibt wie immer leckeres Essen und kühle Getränke!

Infoveranstaltung zum Naziaufmarsch und den Gegenaktivitäten in Remagen

Da ein Großteil der TeilnehmerInnen der Nazidemo seit Jahren aus NRW kommt, möchten wir eine gemeinsame Anreise für Kölner Antifaschist_innen nach Remagen organisieren. Wichtige Informationen zum Naziaufmarsch in Remagen und zu den Gegenaktivitäten bekommt ihr auf der Mobiveranstaltung am 04.11.2014 um 20.00 Uhr im AZ Köln (Eifelwall 7).

Am 22.11.2014 wollen zum sechsten Mal in Folge Alt- und Neonazis aus ganz Deutschland in Remagen bei Bonn aufmarschieren. Anlass für die Nazis sind die sogenannten “Rheinwiesenlager“, welche nach der Zerschlagung Nazideutschlands durch die Allierten als provisorische Sammelstellen für deutsche Kriegsgefangene dienten und entlang des Rheins errichtet wurden. Durch die kriegsbedingte Unterversorgung starben Historiker_innen zufolge in diesen Sammelstellen ca. 1200 Gefange. Die Nazis hingegen halluzinieren sich Opferzahlen von über einer Millionen Tote herbei. Dass die Neonazis sich ausgerechnet Remagen als Bühne für ihre Geschichtsverdrehung ausgesucht haben, ist kein Zufall. Dort existiert mit der Friedenskapelle ein Ort, der in räumlicher Nähe an die allierte Sammelstelle erinnert. In dieser Kapelle befindet sich neben einer Bodenplatte mit revisionistischer Inschrift eine Kopie der Skulptur „Schwarze Madonna“ des NS-Künstlers Adolf Wamper. Nicht zuletzt durch diese Form kollektiven Gedenkens halten sich seit Jahrzehnten zahlreiche lokale Opfermythen und bieten potentiell ideologische Schnittstellen zu den Nazis.

Antifaschistische Demo am 22.11.2014
10:00 Uhr Bahnhof Remagen
„NS-Verherrlichung stoppen! Nazis in Remagen entgegentreten!“

Weitere Infos: remagen.blogsport.de

Demo: Köln wehrt sich! Gegen Neonazis, rechte Hooligans und Rassismus

Wir dokumentieren den Aufruf des SDAJ Köln zur Demonstration am Sonntag den 2. November 2014:

Am 02.11.2014 um 13:00 Uhr wird am Rudolfplatz in Köln eine Demo gegen Neonazis, rechte Hooligans und Rassismus stattfinden. Alle antirassistischen und antifaschistischen Organisationen, Bürgerinnen und Bürger sind dazu aufgerufen, sich gemeinsam gegen die gewalttätige Machtdemonstration der sogenannten „Hooligans gegen Salafisten“ vom 26.10.2014 zu positionieren.
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